Kapitel 1 Teil 5

– Immer geiiiiiiiileeeeeeeeeeeeeeer!

Paula lacht. Fanny schaut sie fragend an und wird dann aufgeklärt.

– Immer steieieieieeieileeeeeeeeeer!

Wir rauchen den Johnny, trinken den guten Whisky, der bald zur Neige geht, Helene schaut selig und sagt immer wieder: wie nice. Fanny, möchte kurz ansprechen, ob wir das mit den Zimmern nicht ändern könnten: sie mit Helene und Lars und Thees in einem Bett.

– Nein! Ich bin doch nicht schwul!

Larsi ruft es aus, er meint es hoffentlich nicht ernst. Thees kichert.

– Und wie schwul du bist! Aber ganz egal: ich möchte auch nicht mit dem Freak in einem Bett schlafen. Fanny, wo ist das Problem?

Helene blickt sie lange an:

– Ja, Fanny, wo ist das Problem?

– Schon gut, wir werden nachher eh alle so fertig sein und gleich einschlafen.

Ja, da ist nicht nur etwas, da ist ganz viel – unter der Oberfläche …

Sie schaltet sofort runter, wie es ihre Art ist. Doch jetzt meldet sich Paula:

– Was ist denn daran so schlimm, wenn Fanny das Zimmer wechseln möchte? Mitja, du hast ein Doppelbett, können wir da schlafen? So lässt sich das Problem ebenfalls lösen …

Helly schaut verwirrt drein, es entgleitet ihr, sie möchte es unbedingt wissen:

– Was ist denn los, verdammt?!

Thees schaut alle außer ihr in der Runde an, auffordernd, eindringlich – er scheint nüchtern zu sein. Die anderen nicken. Was ist hier los? Ich bin außen vor, weder habe ich ihm geantwortet noch zuvor Paula. Dann sagt Thees bestimmt:

– Nichts ist los! Wir schlafen so, wie wir es heute Nachmittag beschlossen haben, Paula! Alles ist gut. Ich drehe uns noch eine Runde und dann ist gut!

Die nächsten zehn Minuten folgt ein lautes Schweigen. Helene und ich sind ganz raus, wissen nicht, was das soll. Was mit Lars ist, kann ich nicht sagen, er lässt sich zumindest nicht anmerken, ob er involviert ist. Okay, scheinbar läuft etwas, wovon zumindest zwei Personen gänzlich abgeschnitten sind. Nur was? Das ist schon sehr merkwürdig. Ich blicke Helene an, sie zuckt die Schultern. Plötzlich fühle ich mich ihr so nahe und bereue alle negativen Gedanken, die ich ihr gegenüber hatte. Sie ist herzlich und wundervoll. So gerne möchte ich sie in den Arm nehmen, sie spürt das wohl und rückt ihren Sessel ganz nah neben meinen, lehnt ihren Kopf an meine Schulter, ich lege den Arm um sie. Das tut so gut wie die Wärme des Feuers, das endlich wunderschön lodert.

Und was lodert unter der Oberfläche unserer Clique?

– Die letzte Runde Whisky on the rocks für uns alle!

Thees lächelt uns selig an, das Kraut hat bei ihm ganz schön reingehauen. Auch alle anderen scheinen etwas entspannter zu sein. Das wäre sonst eine sehr ungemütliche Nacht geworden. Paula stöpselt ihr Smartphone an die kleine Anlage auf der Holztruhe neben unseren Sesseln, legt jazzige, chillige Barmusik ein. Wir trinken und überlegen, was wir die nächsten Tage machen könnten. Helly schlägt einen Ausflug nach Colmar vor, gleich nach dem Geburtstagsessen am Mittag.

– Morgen steigt das Thermometer auf 25 Grad, sagt meine Wetter-App.

Helene ist wieder positiv und glücklich – und das macht mich glücklich. Schön, dass sie mich davon überzeugte mitzukommen, denke ich in diesem Moment.

– Ich habe eine Idee! Lasst uns Trampolin springen. Jetzt!

Thees ist ganz beseelt von der Idee, Paula findet das ebenso toll, ich mache so einen Blödsinn sowieso immer mit. Lars und Helene schauen uns etwas befremdet an:

Really? So drunk und stoned wie wir sind? Ob uns nicht übel wird?

– Dann machst du Fotos und Videos von uns. Auf, raus mit uns!

Thees läuft lachend aus der Tür in den hinteren Garten, wir alle anderen hinter ihm her. Wir krabbeln zu viert durch das Netz, barfuß, und fangen an zu hopsen. Thees ruft:

– Wart ihr schon mal nackt auf einem Trampolin?

Er beginnt seine Klamotten auszuziehen.

Craaaaazzyyyyyy!

Helene lacht sich kaputt, Lars schüttelt den Kopf, Fanny und Paula verlassen das Trampolin – und ich ziehe meine Klamotten ebenfalls aus. Mein rothaariger Freund singt nun eine Textzeile von Die Orsons („Schwung in die Kiste“).

– Aber seid ihr schon mal nackt auf einem Trampolin gesprung‘? / Alles wackelt, wir woll’n tanzen, doch der DJ nervt mit Cutten / D-DJ nervt mit Cut-Cut-Cut-Cutten (Was?)

Ja, alles hüpft und es macht noch mehr Spaß, obwohl es seltsam ist, wenn man mit dem Hintern auf diesem Trampolinmaterial aufkommt – es scheuert ein bisschen. Durch das viele Lachen und Hüpfen geht mir die Luft verloren, aber ich kann nicht mehr aufhören, aufhören, aufhören.

Nach einer Viertelstunde ziehen wir zwei uns wieder an, die anderen sind schon oben in ihren Zimmern. Wir gehen ebenfalls ins Haus und verabschieden uns oben an der Gabelung zwischen West Wing und East Wing. Ich freue mich, mein eigenes luxuriöses Zimmer zu haben …

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