Warum das alles?

Zuerst machte ich es mir in diesem großen Garten gemütlich, schob den Tisch zurecht, damit ich nicht mehr geblendet werde und alles auf dem Laptop alles erkennen konnte, legte ein Kissen auf den Stuhl und blickte auf das leere Word-Dokument. L. hatte gesagt, dass ich doch schreiben könnte im Elsass. Gute Idee, dachte ich. Meinen ersten veröffentlichten Roman („Plattenbaugefühle“) hatte ich in der Türkei im Urlaub bei meiner Freundin H. begonnen – und daher wurde die zweite Hauptfigur ein Türke, obwohl die Person, die ihr Vorbild war, aus dem Iran stammte.

Während ich auf das leere Word-Dokument blickte, erinnerte ich mich an diesen Schreibvorgang, ich erinnerte mich auch daran, dass ich mich stets von meiner eigenen Realität inspirieren ließ. Irgendein interessantes Erlebnis, ein interessantes „Requisit“ aus meinem Leben, eine sehr interessante Person wurde immer Mittelpunkt meiner Geschichten. Es konnte etwas Kleines sein, das dann immer größer wurde, wenn ich es fiktiv weiter verarbeitete.

In diesem Fall stand diese spannende Villa im Bauhaus-Stil im Mittelpunkt. Wir erfuhren von den SS-Soldaten, die hier ihre Schießanlage im Keller hatten, von den Jagdgesellschaften, die sie da abhielten. Daraus musste ich etwas machen. Ich beobachtete meine Freundinnen und bemerkte kleine Spannungen und ich dachte, dass dies ja ganz normal sei, in jeder Clique gab es Nicklichkeiten, gab es kleine Geheimnisse, Risse in den Beziehungen – und wenn man dann ein paar Tage intensiv miteinander verbrachte, kamen sie sehr schön zum Vorschein.

Doch was wäre, wenn dieser Ort mit dieser Geschichte, sich auch auf die Konflikte auswirkte, sie zu einer dramatischen Größe heranwachsen ließ? Was wäre, wenn diese Villa der Ausgangspunkt eines Mordes wurde?

So entstand, während ich das Weiß des Bildschirms anschaute, die Idee zu einem Kriminalroman – ein Mord unter Freund*innen, ein Kammerspiel zwischen Menschen, die sich lieb(t)en, die langsam, aber sicher in einen Strudel gerissen wurden, der alles zerstörte. Und dabei wollte ich meine eigene Lebensrealität einbringen, eine total authentische, reale und ehrliche Geschichte erzählen, die trotzdem „nicht wahr“ ist.

Ich arbeite oft so: ich habe ein paar reale, tatsächliche Eckpunkte, Dinge, die passiert sind, Orte, die ich tatsächlich besucht habe, Menschen, die tatsächlich Teil meines Lebens sind – und die ich mit Fiktion vermische, die ich in der erzählten Geschichte verändere, teilweise bis sie sich ins genaue Gegenteil verändern.

Manche Menschen werden sich wiedererkennen oder glauben, sich wiederzuerkennen. Manche Situationen werden Freund*innen bekannt vorkommen. Menschen werden sich vielleicht sogar veralbert vorkommen, vielleicht. Das ist nicht mein Ziel. In diesem Roman verwende ich bekannte Figuren, Situationen, Orte, Gedanken, Erlebnisse und reichere sie an, erfinde sie neu – und das alles soll dann ein erotischer Liebes-Thriller werden. Ja, es ist ein Wagnis und ja, vielleicht werde ich sogar daran scheitern. Aber es macht Spaß und ich nehme euch gerne mit auf meine Reise! Also, viel Spaß dabei!